Sextener Dolomiten
Ankunft
Die atemberaubende Bergkulisse der Dolomiten ist uns erst mal egal. Es herrscht finsterste Nacht und es ist eisig kalt. Keinen Hund würde man jetzt vor die Tür jagen – minus 22 Grad. Die Bürstner-Wohnmobile winden sich mitten in der Nacht die letzten Kurven hinauf zum Caravan Park Sexten auf über 1500 Meter. Wir sind spät dran, schon 23 Uhr. Die Anreise von Deutschland brauchte ihre Zeit, denn wir wollten Maut sparen und haben uns für die Route München, Inntaldreieck, Kitzbühel und Felbertauerntunnel über Lienz nach Innichen und Sexten in Italien entschieden.
Als klar wurde, dass die Rezeption bei Ankunft schon lange geschlossen sein würde, half ein Anruf weiter. „Dann stellt ihr euch auf unseren Wohnmobilhafen vor der Schranke, schlaft aus und morgen sehen wir weiter.“ Perfekt, das ist die Lösung. Und Stromanschluss gibt es auch. Allerdings ist der nur für vier Ampere ausgelegt und schon ein Wasserkocher löst die Sicherung aus. Egal, morgen auf dem Stellplatz wird es keinen Grund mehr zum Meckern geben. Da stimmt alles: tiefverschneite Winterherrlichkeit, plätscherndes Bächlein, freier Blick auf die Dolomiten – und satte 16 Ampere Absicherung des Stromanschlusses.
Superplatz in den Dolomiten
Der Caravan Park Sexten zählt schon seit Jahren zu der kleinen Schar der ADAC-Superplätze (TS 350). Und er ist ein gutes Beispiel dafür, was das bedeuten kann. Die Familie Happacher führt seit drei Jahrzehnten den Betrieb. Dabei legt sie besonderen Wert auf die Harmonie zwischen Natur und Mensch, zwischen Althergebrachtem und Modernem. So wurden gleich mehrere über hundertjährige, originale Bauernhöfe aus der Umgebung Sextens abgetragen und nahtlos in die Anlage eingefügt, so als stünden sie schon ewig dort.
Teilweise verbergen sie auch die modernen Sanitärräume. So öffnet sich mit ehrwürdigem Eisengriff eine vermeintlich alte Tür, doch dann wird klar: Es ist samt der Bauernmalerei nur eine gekonnte Verkleidung. Ähnliche Effekte in der weitläufigen Sauna-Landschaft. Betagte Fenster mit bröckeligem Kit, der gerade noch die Scheiben hält, geben dort den Blick frei in die Nachbarkabinen. Alte Holz- und Kohleöfen, weiß emailliert, erzählen an anderer Stelle Küchen-Geschichte aus vergangenen Zeiten.
Doch finden sich auch moderne Beispiele der Integration von Tradition und Ortsverbundenheit. So sind die Beckenwände des großzügigen Hallenbads mit Felsplatten verkleidet, den Boden bedecken Kieselsteine und draußen im Freibecken wartet wieder die eisigschöne Winterlandschaft.
Wohlige Wärme im Wohnmobil
Wohnmobile vom Schlage eines teilintegrierten Bürstner Solano und des Alkoven Argos bringen von Haus aus ordentliche Wintertauglichkeit mit. Zwar sind die Fahrerhäuser aus Blech grundsätzlich Wärmebrücken, doch lassen sich die Scheiben mit Folien gut isolieren. Innen helfen auch dicke Vorhänge. Der große Doppelachser Argos bietet zusätzlich einen Zwischenboden und als Option eine Warmwasserheizung an. Die ist dort verlegt, wo Wärme als besonders angenehm empfunden wird, weil sie unten aufsteigt und sich gleichmäßig dem ganzen Raum mitteilt: im Boden des Aufbaus. Und wenn das Gas ausgeht? Kein Problem, dann bringt der Flaschenservice Nachschub.
Skisport ab Wohnmobiltür
Doch ist die Hauptmotivation für einen Winterurlaub nicht der – wenn auch sehr gemütliche - Aufenthalt in einem Fahrzeug, sondern die Natur. Und die kann gleich auf verschiedene Arten erobert werden: als Winterwanderer, auch mit Schneeschuhen, als Rodler oder Skifahrer in der Loipe oder alpin. Im Eingangsbereich des Caravan Parks wartet ein kostenloser Shuttle. Mit ihm geht es zur „Giro delle Cime“. Der Rundkurs führt über die fünf Gebiete Helm, Rotwand, Kreuzberg, Ski Area Val Comelico und Haunold. Bei einer Länge von 30 Kilometern sind 10.000 Höhenmeter angesagt. Es geht aber auch ohne Bus, etwa auf den eigenen Brettern quer durch den Campingplatz am Bach entlang durch den Wald bis zu einer Mittelstation. Der Weg geht nicht immer bergab und setzt etwas Übung und Kondition voraus, macht aber Spaß.
Ausflug nach Innichen
Zu sportlich? Dann sorgt vielleicht ein Ausflug mit dem Shuttle ins nahe Innichen für Abwechselung. Die Gemeinde gilt als einer der beliebtesten Urlaubsorte im Südtiroler Hochpustertal und lädt zum Bummeln ein. Das Skigebiet Haunold verfügt dort auch über eine Rodelbahn. Innichen ist an ein Loipennetz mit über 200 präparierten Loipen angeschlossen. Außerdem im Angebot: Eislaufen.
Ein Bad im Baumhaus
Nach dem Sport wartet dann ein ganz besonderes Programm. Wie wäre es beispielsweise mit einem Bad im Baumhaus? Dieses romantische Vergnügen lässt sich im Caravan Park Sexten buchen. Dagegen klingt das Angebot „Abendessen“ schon fast banal. Es sei denn, der Urlauber ist ein Fan von Spitzengastronomie. Und da hat sich die Familie Happacher wieder etwas Besonderes einfallen. Außer Speisen à la carte und Genießerwochen präsentiert die Küche ein täglich wechselndes Menü mit drei Gängen zu fast schon subventionierten Preisen. Saisonale Produkte aus der Umgebung, Südtiroler Spezialitäten sowie internationale Küche kommen auf den Tisch.
Die Tage vergehen wie im Flug. An den Wohnmobilen hängen lange Eiszapfen wie für die Ewigkeit. Aber es hilft nichts. Morgen geht’s nach Hause. Doch wir kommen bestimmt wieder.