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Wohnmobile mit Blitzen im Hintergrund

Blitzschutz beim Camping

Camping, die Urlaubsform für Naturliebhaber. Je natürlicher und ursprünglicher die Umgebung, desto besser. Denn wo lässt es sich schöner entspannen als in freier Natur unter blauem Himmel? 
Doch Urlaub in der Natur birgt auch Risiken. Wer beim Zelten schon mal von einem Gewitter überrascht wurde, weiß, wie schnell es ungemütlich und sogar gefährlich wird. Wie Sie sich als Camper oder Zeltler bei Blitz und Donner am besten verhalten, erfahren Sie hier.

Wie kann ich mich im Freien schützen?

Nahezu alle Blitzunfälle ereignen sich außerhalb von Gebäuden. Wolken-Erde-Blitze schlagen an Stellen ein, die die Umgebung überragen.
Wird man vom Gewitter überrascht, so bieten Gebäude mit Blitzschutzanlagen und Fahrzeuge mit Ganzstahlkarosserie  sicheren Schutz vor Blitzschlag (Faradayscher Käfig: Kraftwagen, Eisenbahnwagen, Zugmaschinen mit metallischen Aufbauten wie Wetter- und Überrollschutz).


In Holz- oder Steinhütten ohne Blitzschutzanlage sollte man in der Mitte des Gebäudes Hockstellung einnehmen.

Blick aus Camper auf See

Sind solche Schutzeinrichtungen nicht zu finden, sollte man

  • alle exponierten Stellen wie Hügel, freies Gelände, Böschungsränder, Waldrand, einzelstehende Bäume und Baumgruppen, Ufer und Holzmasten meiden (das gilt auch für Stellplätze von Fahrzeugen und Zelten)
  • Bodenmulden, Hohlwege, den Fuß eines Felsvorsprunges oder das Innere eines Waldes mit gleichmäßig hohem Baumbestand aufsuchen
  • sich mit geschlossenen Beinen und eingezogenem Kopf hinhocken (Kauerstellung - nicht setzen oder legen: Schrittspannung !)
  • keine Personen oder Tiere berühren oder sich gegenseitig einhaken
  • nicht in Gruppen nahe beieinander stehen, sondern getrennt Schutz suchen
  • Abstand von Metallgittern und Weidezäunen halten und keine metallischen Gegenstände berühren
  • sich bei Bäumen von den Astspitzen mindestens so weit weg hinhocken, wie die Astspitzen vom Stamm entfernt sind

Bin ich im Zelt oder Vorzelt sicher?

Welche Gefahren drohen?

In einem Zelt sind Personen nicht ausreichend genug gegen die Auswirkungen eines Blitzschlages geschützt.
Der Blitz schlägt in das Metallgestänge ein, überspringt und durchschlägt isolierte Stellen, z. B. Zeltboden, und fließt meist ungleichmäßig verteilt über die Zeltstangen in die Erde ab. Um die Zeltstangen herum bilden sich im Erdreich Spannungstrichter mit der Gefahr der Schrittspannung.
Eine weitere Gefahr besteht für Personen durch die Nähe des Blitzstromführenden Zeltgestänges. Wenn der menschliche Körper besser geerdet ist als die benachbarte Zeltstange, kann es zu einem Funkenüberschlag und damit zu einem Stromfluss über den Körper kommen.

Blick aus Zelt

Wie kann ich mich davor schützen?

Man sollte bereits vor dem Gewitter das Zelt verlassen und - wenn möglich - ein Fahrzeug oder Gebäude aufsuchen. Andernfalls ist folgendes zu beachten:

  • Zeltwand und Zeltgestänge nicht berühren, auch wenn der Sturm noch so tobt
  • Sich in Zeltmitte - möglichst entfernt vom Zeltgestänge - in Kauerstellung hinhocken
  • Auf keinen Fall auf den blanken Boden, sondern möglichst auf trockene Luftmatratze oder Campingliege mit Metallgestänge setzen und dabei das Metall und den Boden nicht berühren
  • Eventuell in das Zelt führende Stromkabel entfernen
  • Plastikteller oder Gummikapsel an den Gestängefüßen zur besseren Erdung entfernen
  • Zur Vermeidung der Schrittspannung sollte das Zeltgestänge einen geschlossenen metallischen Verbund bilden. Dies wird durch folgende Maßnahmen - nach ihrer Wirkung aufgezählt - erreicht:
  • Unter dem Zeltboden metallischen Untergrund (Drahtgeflecht) anbringen und mit dem Zeltgestänge leitend verbinden.
  • Alle Zeltstangen durch eine auf dem Boden liegende Metallringleitung, möglichst mit Mittelkreuz, miteinander verbinden.
  • Zusätzliche metallische Zeltstangen verwenden und als Gestängekasten ausbilden. Je dichter das Gestänge wird, um so mehr wird der Zeltinnenraum frei von elektrischen und magnetischen Feldern (Faradayscher Käfig).

Bin ich im Wohnmobil und Wohnwagen während der Fahrt sicher?

Beim Fahren

Obwohl ein Kraftfahrer in seinem Auto gut gegen Blitzschlag geschützt ist, muss während eines Gewitters mit zusätzlichen Gefahren gerechnet werden:

  • An Ampeln, Warnanlagen an Bahnübergängen und sonstigen Signalanlagen ist bei Gewitter und danach Vorsicht geboten. Durch Blitzeinwirkungen können diese ausgefallen sein
  • Der grell aufleuchtende Blitz ruft eine sehr starke, kurzzeitige Blendung hervor. Diese kann genügen, um beim Fahren von der Straße abzukommen

Daher während eines Gewitters möglichst einen Parkplatz aufsuchen.

Wohnmobil vor Schlechtwetterfront

Fahrzeuge mit Aluminium-Außenbeplankung

Keine Probleme gibt es bei Fahrzeugen mit einer Metallhaut aus 0,5 mm starkem Aluminium. Diese und andere Metallteile müssen aber leitend mit dem Fahrzeugrahmen verbunden sein (sonst erfolgt ein Überschlag mit Beschädigungen an den Unterbrechungsstellen), dann kann der Blitz problemlos den kürzesten Weg zur Erde finden. Er fließt entweder über die Kurbelstützen ab oder - wenn diese nicht ausgefahren sind - über das am besten geerdete Rad. Dennoch ist bei Gewitter zu beachten:

  • Fenster, Türen und Dachluken schließen
  • weder ein- noch aussteigen (Schrittspannung!)
  • keine metallischen Teile der Einrichtung anfassen, auch nicht Geschirr spülen oder duschen
  • ausfahrbare Antenne einziehen, soweit Antennenaußenrohr nicht metallisch mit Alu-Außenhaut verbunden ist
  • Antennenkabel aus dem Gerät ziehen und erden (verbinden mit Alu-Außenhaut),
  • 220-V-Kabel außen am Wagen abziehen und den Stecker mindestens einen Meter entfernt ablegen, damit nicht eine durch Blitz verursachte Überspannung auf diesem Weg ins Wageninnere gelangt

Fahrzeuge mit Kunststoffaufbau

Ein Fahrzeug mit Kunststoffaufbau ohne Metallgerippe oder Metallgeflecht in den Außenwänden bildet keinen Faradayschen Käfig und daher keinen Schutz gegen Blitzschlag. Ein Blitz kann ohne weiteres in das Innere des Fahrzeugs auf metallische Gegenstände, wie Gas- oder Elektroinstallation, oder auf die Insassen durchschlagen. Gasleitungen können dabei an den Verbindungsstellen undicht werden. In Fahrzeugen dieser Bauweise sollte man sich daher bei Gewitter möglichst in Fahrzeugmitte bodennah in Hockstellung aufhalten.

Wohnmobile mit Hub- oder Klappdach aus Kunststoff

Durch den Dachausschnitt entsteht im Faradayschen Käfig des Fahrzeuges eine Lücke. Man sollte deshalb folgendes beachten:

  • Hub- oder Klappdach schließen
  • nicht mit dem Kopf in den Bereich des Daches kommen
  • am sichersten ist es, wenn man sich im Führerhaus aufhält

Um den Blitzschutz zu verbessern, sollten im Kunststoffdach Metallrahmen und  streben eingearbeitet sein, die metallisch mit dem Hubgestänge und dem Blechdach verbunden sein müssen. Hierzu dient auch ein metallischer Dachgepäckträger, der an den vier Ecken mit der Blechhaut und dem Fahrgestell metallisch zu verbinden ist.

Reifen

Sollte ein Blitzschlag ins Fahrzeug erfolgt sein, muss mit Reifenschäden gerechnet werden. Im Hochspannungslabor künstlich erzeugte Blitze, die nur ein Hundertstel bis ein Tausendstel der Stärke natürlicher Blitze erreichen, zogen bereits die Karosserie, vor allem aber die Reifen in Mitleidenschaft. Schlauchlose Gürtelreifen zeigten in den Profilrillen millimetergroße Löcher. Teilweise waren sogar die Drähte des Stahlgürtels angeschmolzen. Wassereintritt und die daraus resultierende Korrosion des Stahlgürtels kann zur Ablösung der Lauffläche und zum gefürchteten Platzer führen. Deshalb sollte nach einem Blitzeinschlag unbedingt geprüft werden, ob die Reifen Durchschlagstellen oder anderweitige Schäden aufweisen.
Ob ein Blitz die Reifen nun durchschlägt oder sich einen anderen Weg zur Erde sucht, ist nicht vorhersehbar. Er kann direkt vom Fahrzeugboden oder entlang der Reifenflanken seinen Weg zur Erde nehmen, wobei die Reifen unbeschadet bleiben.

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