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Unterwegs mit dem Campingplatz-Inspekteur

29.06.2018 - Am Morgen

Die letzte Nacht auf unserer gemeinsamen Tour haben wir auf dem Campingplatz „Gaasper“ verbracht, Amsterdams zweitem Stadt-Campinglatz und im Gegensatz zu „Zeeburg“ eher ein ruhiger Familienplatz. Kai zieht routiniert seine Runden, im Gegensatz zu heute Nachmittag springen ihm hier die frisch gemähten und gut gepflegten Stellplätze ins Auge. Dafür findet er es reichlich bedenklich, dass er im Sanitärgebäude von der Herren- direkt rüber in die Damentoilette greifen kann. Alles in allem ist der Platz aber ein schöner Ausgangspunkt für Touren nach Amsterdam.

Kai zeigt fehlenden Abstand zwischen Damen und Herren WC

Da müssen allerdings weder Kai noch ich jetzt hin. Für ihn geht es weiter nach Westen, rund 30 Camping- und Stellplätze hat er noch für dieses Jahr. „Dann reicht es auch. Mein Kaffee langt nur noch so lange und Nachschub kriege ich nur bei meinem Röster Brahim in Euskirchen“, sagt er und lacht. Dann rollt er um die Ecke.
Ich habe diese Woche viel gelernt über seine Arbeit und wie all diese Sterne, blaue und gelben Balken um ADAC Campingführer zustande kommen. Anzahl und Ausstattung der Sanitäranlagen sind für die Campingplatz-Klassifikation offenbar das A und O, auch das Gelände, die Versorgungslage sowie die Bade- und Freizeitmöglichkeiten sind wichtig. Geprüft wird das alles sehr gründlich nach allerlei Kriterien.
Zum begeisterten Dauercamper werde ich jetzt wahrscheinlich trotzdem nicht. Muss ich ja auch gar nicht. Wie bei jedem Hobby und jeder Leidenschaft geht es ja nicht darum, alle davon zu überzeugen, sondern darum, das grundsätzliche Verständnis zu verbessern.
Und das hat Kai gut hinbekommen. In den vergangenen 25 Jahren hat sich offenbar einiges getan. Vieles von dem, das ich gesehen habe, hat mir gefallen. Einiges Skurrile war dabei, wie extra Duschen für Hunde oder Marken für die Duschkabine, die man aus dem Süßigkeiten-Automaten holen muss. Aber auch wirkliche Verbesserungen wie ein reichhaltiges Angebot im Platz-Supermarkt oder riesige Spiellandschaften für Kinder.

Besonders beeindruckt hat mich aber auch das, was sich nicht verändert hat: Denn auch wenn Camping allgemein keine Billig-Urlaubsform mehr ist – Da, wo es nötig ist, ist Camping immer noch für kleines Geld möglich. Fast jeder Platz hat noch eine Zeltwiese, ob für Fahrradfahrer entlang der Fahrrad-Küstenroute an der Nordsee, für junge Familien bei den Haag oder für Jugendgruppen bei Amsterdam.
Und: Mein kleines Zwei-Personen-Iglo wird mir für längere Touren allmählich wirklich zu klein. Aber so wie Kai reist, im Wohnmobil – der Sache sollte man mal eine Chance geben. Gleich bei meinem kommenden Sommerurlaub in Schweden vielleicht. Was es alles zu beachten gibt, weiß ich ja jetzt.
P.S.: Kai zeichnet mit seinem Handy jeden Tag Fitness-Werte auf, also alles von der Herzfrequenz, über die gelaufenen Schritte, die gestandenen Minuten und die bewältigten Treppenstufen. Diese Woche hat er zwei Rekorde aufgestellt: Einen neuen Bewegungs- und einen neuen Trainingsrekord. Und zwar am Dienstag. Da waren wir im Freizeitpark – ich sag's ja nur...

28.06.2018 - Nachmittag

Ungeklärt ist auch nach vier Tagen mit dem Profi-Camper noch die Sache mit dem Essen. Kai kocht zuhause zwar gerne, auf Tour hat hat er dafür aber weder den Nerv noch die Zeit. Deshalb versorgen wir uns immer unterwegs. Und da wir an der Küste sind, ist aus „jeden Tag Spaghetti mit Tomatensauce“ jetzt „jeden Tag Kibbeling“ geworden. Der ist sehr gut, besonders abwechslungsreich ist das aber immer noch nicht.

Ein Blick auf die Tische, Pfannen und Kochtöpfe auf den Campingplätzen, die wir in den vergangenen Tagen besucht haben, zeigt aber: Es geht. Nudeln, Fleisch- und Fischgerichte, Salat, alles da.

Offensichtlich ist die Versorgung auf den Plätzen in den vergangenen Jahrzehnten deutlich besser geworden, angefangen von frischem Brot am Morgen bis zum Sortiment für das Abendessen.

Auch das spielt bei der Bewertung durch den Inspekteur eine Rolle. Auf jedem Campingplatz überprüft Kai penibel, wie die Einkaufsmöglichkeiten aussehen, also ob es zumindest einen Brötchenservice, einen Kiosk, einen Lebensmittelladen oder einen Supermarkt gibt und wie zum Beispiel die Auswahl an Obst, Gemüse und Fleisch aussieht. Wichtig ist ihm auch, ob es das ein oder andere Camping- oder Freizeit-Ersatzteil gibt, falls mal jemand den Strom-Adapter vergessen hat, der Hering krumm geschlagen oder der Wasserball geplatzt. Je umfangreicher das Angebot, desto besser natürlich die Bewertung“, sagt er.

Und ab und an gönnt sich dann auch der Inspekteur ein Stück Kuchen.

28.06.2018 - Vormittag

Der Inspekteur ist unglücklich. Seit Tagen sucht er nach einem guten Beispiel für die Wasserversorgung auf einem Stellplatz und findet keines. Entweder, weil die Camper die Schläuche einfach irgendwo verlegen, oder weil die Voraussetzungen nicht passen. Mal fließt das Wasser nicht durchgehend sondern kommt nur in begrenzter Menge auf Knopfdruck, mal gibt es nur einen Anschluss für zwei Plätze, mal ist – wie in diesem Fall auf den Standardplätzen im „Vakantiepark Kijkduinen“ - die Versorgungsstation völlig zugewuchert. „Bei Standplätzen ist die Versorgung neben der Platzgröße und dem Pflegezustand wichtig für die Bewertung“, sagt Kai. Das hier gefällt ihm nicht.

Kai an Abwasser-/Frischwasseranschluss

Umso breiter strahlt er dafür wenig später, als er auf einem der 200 Quadratmeter-Komfort-Standplätzen fündig wird. Alle Anschlüsse da, wo sie sein sollen und auch noch vorbildlich mit den eigenen Schläuchen verbunden. „Ein Paradebeispiel“, sagt Kai. Geschaffen hat das Versorgungs-Kunstwerk Alfons Walter. Der 61-Jährige macht Kai aber nicht nur mit den Wasseranschlüssen glücklich, sondern auch mit dem, woran sie hängen: Ein neun Meter Concorde-Reisemobil, zarte zwei Monate alt, Spülmaschine, Kühlschrank, Gefriertruhe, Backofen, Kaffeemaschine, Flachbildschirm. Walter und seine Frau arbeiten von dort aus und sind gemeinsam mit Chow-Chow-Rüde Balu immer wieder mehrere Wochen auf Geschäftsreise. Die Idee dazu kam ihm im vergangenen Jahr, als er die Reisebilanz seiner Frau durchgegangen ist. „Sie hat mehr als 100 Nächte in Hotels verbracht – und sie hasst Hotels.“ Also wurde umgesattelt.

Kai an Frischwasser-/Abwasseranschluss

Kai und Alfons Walter – zwei Camper unter sich. Ab jetzt geht es um Hub- und Heizungssysteme, Federungen, Durchfahrtshöhen, Urlaubsziele... Für die nächste Viertelstunde bin ich raus.
Bei den Behinderten-Toiletten ist Kais gute Laune aber schnell wieder verflogen. Der Spiegel ist nicht klappbar – das ist wichtig, damit sich auch niedrig sitzende Rollstuhlfahrer darin anschauen können – der Eingangsbereich zu knapp bemessen, die Wasserhähne zu weit oben. Und auch die putzige, als rotes Rennauto gestaltete Babybadewanne trifft nicht den Nerv des Inspekteurs. Schließlich ist daneben kein Platz mehr, um das Baby abzulegen.

Kai im Behindertensanitär

Das hier muss Kai aber doch gefallen: Als er den Gastronomie-Bereich überprüft, fällt ihm im Stockwerk darüber ein großes Schild auf. „Da oben steht 'Lasergame' – sollen wir uns das mal anschauen?“, fragt er. Manchmal stellt er wirklich sehr, sehr merkwürdige Fragen. Da sie offiziell erst am Nachmittag aufmacht, haben wir eine ganze Lasertag-Arena für uns allein. Aber Kai bewertet nur und schießt lieber Fotos als auf mich. Offenbar hatte er gestern am Strand schon genug Laser-Spaß.
Na dann: Runter vom Platz, rein ins Wohnmobil, zurück nach Amsterdam.

Kai vor Lasergame

28.06.2018 - Am Morgen

Heute Morgen schauen alle Camper in etwa so wie Herr Wonk hinter Kais Windschutzscheibe. Das Ausscheiden Deutschlands bei der WM schmerzt – und wer ist in diesem Moment schon gerne in Holland...

Eule Wonk

Auch Kai ist bei Fußball sehr anfällig. Schon das letzte Spiel gegen Schweden konnte er sich nicht bis zum Ende anschauen. „Das geht mir an die Nerven. Wenn ich da alleine in meinem Wohnmobil umkippe, findet mich ja keiner“, sagt er. Mein Beistand hat die Lage aber auch nicht wesentlich verbessert. Deutschland ist raus. Die Schadenfreude im Nachbarland hält sich allerdings sehr in Grenzen. Anscheinend haben die Niederländer durch das eigene Scheitern in der Qualifikation gleich die ganze WM abgehakt. Und Kai hat ja immer noch Borussia Mönchengladbach. Das ist ihm sowieso viel wichtiger. Also: Mund abputzen, weitermachen. Kai muss jetzt selbst wieder Leistung bringen auf dem Platz.
Ziel heute: Der „Vakantiepark Kijkduinen“ am Stadtrand von den Haag. Beim Frühstück checkt er schon mal die wichtigsten Punkte in der ADAC Camping App, dann legt er mit seinem Tablet los.

Abtrockentuch Borussia

27.06.2018 - Vormittag/Nachmittag

Ich würde ja jetzt gerne ans Wasser, aber Kai trödelt wieder – oder „arbeitet“, wie er das nennt. Hier mal ein wenig auf das Plastikfass im Planschbecken gedrückt, da einen Blick in die Restaurant-Speisekarten geworfen, dort an einem Spielgerät gerüttelt.
Besonders gründlich überprüft er wieder die Sanitärgebäude. Heute fallen ihm diverse gesprungene Fliesen, verkalkte Wasserhähne und mangelnde Abstände ins Auge. „Hier sieht es im Moment nicht ganz so aus, wie wir das wollen“, hat Platzbetreiber Leo Kroon schon bei unserer Ankunft angekündigt. Seit Kurzem gehört sein Platz zur Molecaten-Gruppe, die knapp 20 Campingplätze und Freizeitparks in den Niederlanden betreibt. Es sei viel Arbeit, bis die Standards angeglichen sind. Vieles werde derzeit entwickelt, das Hauptsanitärgebäude ohnehin bald völlig neu gemacht. Das hilft Kai für den Moment aber leider nicht viel weiter. „Ich muss das aufnehmen, was ich sehe, weil ich ja nur jetzt hier bin.“

Abstandsmessung WC

Neu ist in diesem Jahr für Inspekteur Kai, dass er die Gästemeinung bei der Bewertung aufnehmen soll. Dafür fragt er Urlauber, warum sie sich diesen Platz ausgesucht haben und was ihnen dort besonders gut gefällt. Heute unter anderem Vincent, David, Paul und Khalil. Die vier Jungs aus dem Odenwald sind alle zwischen 19 und 20, haben gerade ihre zweiwöchige gemeinsame Tour durch die Niederlande gestartet und gehören eher zum Gästetyp „Zeeburg“. Im „Park Nordduinen“ stechen sie etwas heraus, bei der Platzwahl sind ihnen aber dieselben Kriterien wichtig wie den meisten anderen auch: „Günstig Urlaub machen ist ja o.k., aber wenn man morgens nicht richtig Duschen kann, ist das eine Katastrophe“ sagt Vincent. Gepflegte Waschräume sind also wichtig.

Gästeinterview

Wichtig ist mir jetzt aber auch der Strand. Kaum aus dem Camping-Tor hinaus, zückt Kai aber sein Laser-Messgerät. „Für mich ist die Arbeit hier zu Ende“, sagt er, als er es wieder absetzt. Die Dünen, die da vorne schon in greifbarer Nähe sind, liegen weiter als 300 Meter vom Platz entfernt. Damit gehört der Strand dahinter nicht mehr direkt zum Platz und fließt auch nicht in die Bewertung ein. Das findet Kai in dem Fall aber selber schade. „Das ist immer das Blöde, weil so komme ich als Inspekteur auch nie ans Meer.“ Mir – und vielleicht auch ein kleines bisschen sich selbst – zuliebe, schauen wir also trotzdem ans Meer. Auch dort packt Kai wieder seinen Laser aus, um Länge und Tiefe des Strandabschnitts zu messen. „Daraus berechnet der ADAC dann, wie viel Platz jeder Camper am Strand zumindest theoretisch hat“, sagt Kai.

Kai beim Vermessung

Außerdem beurteilt er normalerweise unter anderem noch, wie der Strand beschaffen ist, charakterisiert ihn, schaut nach, ob es Spielgeräte oder einen Abschnitt für Hunde gibt. Jetzt aber muss er zurück, das Abschlussgespräch mit dem Platzbetreiber führen und Daten eintippen. Ich strecke lieber noch ein bisschen die Füße in den Sand, bevor wir weiter Richtung Den Haag fahren.

27.06.2018 - Am Morgen

Über Nacht sind wir bei „De Zuidduinen“ eingekehrt, einem kleinen Platz bei Katwijk. Wenige Kilometer weiter will Kai heute den „Vakantiepark Noordduinen“ inspizieren.
Meine Eltern haben damals aufgehört, mit uns zu Campen, als beim Zelten auf Krk eine Ameisenkolonie von beachtlicher Größe beschlossen hat, ihre Hauptverkehrsachse nachts durch die Schlafkabine und über die Gesichter ihrer beiden schlafenden Kinder zu verlegen. Deshalb bin ich immer nur mäßig überzeugt, wenn Camper von der wunderbaren Nähe zur Natur schwärmen. Und obendrein habe ich den Eindruck, dass man auf den großen Feriencamps entlang der Küsten das letzte bisschen echte Natur oft mit der Lupe suchen muss.

Wohnmobil und Zelt

Aber so ein kleiner, einfacher Platz wie dieser hat schon was. Eingebettet in die Küstenlandschaft sein Zelt aufschlagen und dann abends noch schnell vorbei an den Dünen-Kaninchen rüber an die Nordsee laufen – das lasse ich mir eingehen.
Nach welchen Kriterien der Profi-Camper Strände für den Campingführer bewertet, das will mir Kai heute zeigen.
So ganz zuverlässig habe ich übrigens die Maße meines Zelts doch noch nicht wieder drauf. Beim Abspannen war das gestern echte Präzisionsarbeit – oder: Meine ganz eigene Wegfahrsperre für Kai...

Weg zum Strand

Wentz goes wild – ein Inspekteur auf Abwegen...

26.06.2018 - Nachmittag

Sanitärgebäude, Standplätze und Restaurants hat Kai schon routiniert abgearbeitet, jetzt wollte er eigentlich noch einen neuen, etwas abgelegenen Teil des Campingplatzes inspizieren. Irgendwo sind wir aber falsch abgebogen und stehen jetzt im Duinreller Outback. „Das kann bei der Beschilderung kein 'gut' geben“, schimpft Kai. „Wenn wir uns schon verlaufen, wie sollen sich dann erst Kinder zurechtfinden?“
Aber Umwege ist der Inspekteur gewohnt. „Ich hatte auf meinen Touren schon Wochen, da bin ich 60 Kilometer gelaufen.“ Auch Duinrell ist für Fußgänger eine ziemliche Herausforderung: 110 Hektar Fläche, 600 Touristenstandplätze plus rund 400 Bungalows, 200 Mietmobilheime - über den Daumen gepeilt haben hier zur Hochsaison 5.000 bis 6.000 Menschen Platz.

Kai hat sich verlaufen

Dementsprechend weit sind die Strecken – zwölf Kilometer sind wir bis jetzt heute schon gelaufen.
Aber: Ein Inspekteur geht seinen Weg – und das lohnt sich. Im hintersten Eck, im Südosten des Geländes, versteckt sich nämlich die neue Glamping-Abteilung von Duinrell: 14 Lodgezelte aus stabilem Holz mit bis zu sieben Schlafplätzen, unterteilt in mehrere Zimmer, möbliert und edel ausgestattet mit Strom, Kamin, Kühlschrank, Gasherd, Mikrowelle, eigener Dusche und Toilette, dazu eine großzügige Terrasse. Und vom Freizeitpark-Trubel ist hier hinten auch nicht mehr viel zu hören. „Das haben sie schön hergerichtet“, findet auch Kai.
Teil seiner Bewertung sind die Glamping-Unterkünfte aber nicht – so wie alle Mieteinheiten auf den Campingplätzen. „Sonst müsst ich ja in jedes Mobilheim rein“, sagt er. Bei den Dingen, die er überprüfen muss, hat ihm dagegen einiges die Falten auf die Stirn getrieben. Der Campingplatz ist auf Erlebnispark-Besucher ausgelegt, aus Profi-Camper-Sicht fehlt das ein oder andere zur Bestbewertung. Ich allerdings kann ganz gut damit leben: Tagsüber Erlebnispark, abends Lodge – auch das kann offensichtlich mittlerweile Camping sein.

Wir besichtigen Camping Duinrell mit Vergnügungspark

26.06.2018 - Vormittag

„Wir müssen vor den Kindern im Erlebnisbad sein“, sagt Kai. Das muss er mir nicht zweimal sagen. Der Grund ist allerdings etwas ernster als er klingt. Viele Eltern sehen es nämlich – zu recht – nicht so wahnsinnig gerne, wenn Inspekteur Kai mit dem Fotoapparat über den Spielplatz und durch das Schwimmbad tigert.
Mir soll's recht sein: Ein ganzes Erlebnisbad für uns allein. Allerdings legt Kai irgendwie andere Testkriterien an als ich...

Akribisch schreitet er die Längen der Schwimmbecken ab, um zu prüfen, ob die Angaben stimmen, achtet auf Dinge, an denen sich Kinder verletzen könnten, wie etwa rostige Eisenleitern am Beckenrand, und prüft, ob das Schwimmbad sauber aussieht. „Wir sind kein TÜV, wir suchen nicht aktiv nach Mängeln, aber wenn Verletzungsgefahr besteht, weisen wir darauf hin.“
Mir ist das alles egal – Hauptsache die Rutschen funktionieren. Und die überzeugen dann auch den Profi-Camper. „Das ist jenseits von dem, was ich erwartet habe“, sagt er über den Wasserrutschenpark auf Duinrell, immerhin der größte der Beneluxstaaten.

Nicht immer gehören Freizeitparks auch zum Aufgabengebiet des Testers. Weil es sich aber in dem Fall um eine sogenannte ‚geschlossene Urlaubswelt‘ handelt, der Zugang also vom Campingplatz aus direkt möglich und der Eintritt im Übernachtungspreis inklusive ist, kommt auch der Erlebnispark unter die Lupe. Auch die Interviews, die Kai mit einigen Gästen führt, bestätigen, dass die Urlauber vor Ort Campingplatz und Freizeitpark als Einheit empfinden.

Ich werde aber den Eindruck nicht los, dass wir hier mit zweierlei Maß messen. Meine Vorstellung vom Wippentest ist offensichtlich eine andere als die von Kai. Sorgfältig checkt er, ob alle Schrauben und Scharniere sitzen, während ich mit den Füßen in der Luft baumele. Ähnlich unterschiedlich ist die Herangehensweise beim Trampolin. Die Minigolf-Anlage ist Kai nicht sauber genug gefegt, das Bällebad scheint ihm kleiner als angegeben – Kai sieht Dinge, die anderen gar nicht auffallen. „Bei Spielplätzen geht es vor allem um Größe, Instandhaltung, Sauberkeit und die Art der Spielgeräte“, sagt er. Bei dem kleinen roten Karussell für vier Kinder, das verloren in einem der Sandkästen steht, muss Kai lachen. Das sei der Klassiker auf den Campingplätzen. So eines habe jeder irgendwo stehen. Dieses hier ist allerdings längst nicht das einzige auf Duinrell. Die riesige Auswahl an Spielgeräten, Fahrgeschäften und Attraktionen von der Achterbahn über die Teppich-Riesenrutsche bis zur Wildwasserbahn überzeugt aber am Ende auch den Inspekteur.

Irgendwann hat er allerdings die Nase voll. So lange wie mit mir musste er sich noch nie im Freizeitpark herumtreiben. Es ist Mittag und wir haben mit dem Campingplatz-Test noch gar nicht begonnen. Also ist mit Spielen Schluss für heute.

26.06.2018 - Am Morgen

Wer mit Kai frühstückt, muss auf nichts verzichten. Wurst, Käse, Marmelade zaubert er aus dem Wohnmobil-Kühlschrank, das Brot kommt frisch vom Bäcker und beim Kaffee entpuppt sich Kai als erstklassiger Barista. Die Bohnen müssen aus Nicaragua oder Brasilien stammen, das Papier für den Spezialfilter aus Japan. Mit viel Sorgfalt bringt er beides zusammen – mahlt die Bohnen frisch, spült den Filter mit heißem Wasser aus, auch das aufgießen folgt festen Regeln Guter Kaffee ist Kai wichtig.

Von wegen also entbehrungsreiches Camperleben. Aber Kai lebt den Sommer über ja auch in seinem Auto. „Schwierig ist immer der erste Schritt ins Wohnmobil, wenn es wieder losgeht und man zuhause alles zurücklässt. Aber man gewöhnt sich schnell dran, jetzt ist das Wohnmobil meine Wohnung“, sagt er.

Kaffee aufbrühen im Wohnmobil

Seit Ende April ist Kai unterwegs, mindestens zwei Wochen wird er noch brauchen für seine Tour. Dementsprechend gründlich achtet er nicht nur auf den Kaffee, sondern auch auf die Sauberkeit in seinem Wagen. „Wenn du zwei, drei Monate mit dem Wohnmobil unterwegs bist, willst du nicht in einer Siffkarre leben“, sagt er. Regelmäßig wird geputzt, gesaugt und gewaschen. Bis Kai mit 50 in den Ruhestand geschickt wurde, war er Programmierer bei der Bundeswehr. Wie man Ordnung hält, hat er also sein gesamtes vorheriges Berufsleben geübt. Schnell noch den Vogelmist der vergangenen Nacht von der Scheibe gekratzt – eine Beschäftigung, die Kai besonders ekelt – dann können wir endlich den Freizeitpark testen gehen. Ich habe mich schon mal entsprechend in Schale geschmissen. Im Gegensatz zu Kai darf ich das ja. Er muss als Inspekteur die Etikette wahren und ordentlich gekleidet sein.

Nach der Inspektion ist vor der Inspektion

25.06.2018 - Nachmittag

Mit der ausführlichen Inspektion ist für Kai aber noch nicht Schluss. Im Wohnmobil tippt er seine Notizen ab, kontrolliert noch einmal seine Eingaben im Tablet, stellt seine nächste Route zusammen. Normalerweise beginnt sein Tag um sechs Uhr morgens, dann steht er auf, macht sich fertig, fährt los, spätestens um neun Uhr steht er dann am ersten Campingplatz an der Rezeption. „Und abends kommt es oft vor, dass ich bis 21 Uhr über meinen Unterlagen hänge, um die Plätze soweit abzuschließen, dass ich die Daten losschicken kann“, sagt er. Urlaub ist die Tour für die Inspekteure also nicht.

Kai bei Nacharbeit Inspektion

Weil heute ausnahmsweise nur ein Platz auf dem Programm steht, ist Kai heute etwas früher fertig, deshalb können wir vom Hof rollen – mit Herrn Wonk, der Plüscheule, auf dem Armaturenbrett und dem toten Siegfried im Ohr: Das ist Kais Ritual. Jedes Mal, wenn er zu einem neuen Platz aufbricht, läuft Siegfrieds Trauermarsch von Richard Wagner im Autoradio. Das baue so schön Spannung auf, sagt er. „Früher bei der Bundeswehr konnte ich nur mit Hardrock einschlafen, aber das hat sich geändert. Klassik gibt mir einfach so viel.“ Deshalb geht es jetzt mit Wagner und der Plüscheule über die Autobahn nach Südwesten Richtung Duinrell – einem Campingplatz mit angeschlossenen Freizeitpark kurz vor Den Haag. Weil Kai aber nie auf dem Campingplatz übernachtet, den er prüft, suchen wir uns einen Stellplatz in der Nähe. Kai zückt noch schnell die Wasserwaage, um zu sehen, ob das Wohnmobil – und somit auch Bett und Frühstückstisch gerade stehen, dann ist für heute Feierabend.

Kai im Fahrerhaus

Für mich geht der erste Tag der Zeitreise in die eigene Vergangenheit mit vielen interessanten Eindrücken zu Ende. Vor allem die Waschräume und die gastronomischen Möglichkeiten haben mich positiv überrascht, das hatte ich schlimmer in Erinnerung. Und langsam verstehe ich auch, wie Kai arbeitet. Nur schon wieder Zelt aufbauen, Heringe festklopfen, Isomatte ausrollen, Schlafsack auspacken – das nervt noch immer. Allerdings entschädigt der Ausblick auf morgen: 220 000 Quadratmeter Spielplatz, 5 000 Quadratmeter Abenteuerspielplatz, Erlebnis-Schwimmbad. Das muss ja auch irgendjemand testen...

Wir besichtigen den ersten Campingplatz

25.06.208 - Vormittag

Mein erster Eindruck vom Campingplatz ist ziemlich gut. Zeeburg ist einer von zwei Stadt-Campingplätzen bei Amsterdam. Mit dem Rad ist man in 20 Minuten in der Stadt. Dementsprechend international gemischt und bunt ist das Publikum. Auf dem Hauptplatz sitzen grüppchenweise Jugendliche beim Frühstück, die bunten Sanitär-, Rezeptions- und Restaurantgebäude geben dem Platz einen sehr freundlichen und modernen Touch, über der Zeltwiese hält sich stabil eine süßliche Wolke, die Entspannung versprechen soll. Insgesamt wirkt das alles sehr locker und wenig verkrampft.

Die Ergebnisse müssen europaweit vergleichbar sein

Profi Kai achtet aber natürlich auf ein bisschen mehr. Pünktlich um neun steht Kai am Platz, bewaffnet mit seinem Tablet. Da stehen alle Bewertungskriterien drin und in das tippt er alles ein, was ihm auffällt. „Es geht viel um Detailarbeit“, sagt er. „Wer einen Campingführer kauft, will sich bildlich etwas vorstellen können. Da muss ich ehrlich und objektiv sein“. Das ist ihm wichtig, damit die Ergebnisse dann auch wirklich europaweit vergleichbar sind.

Sein erster Weg führt Kai zur Rezeption. Würde er sich nicht anmelden, wäre das Hausfriedensbruch. Also sagt er Bescheid und stellt ein paar erste Fragen. Nur, weil er die Inspektion ankündigt, heißt das aber nicht, dass die Platzbetreiber alles wissen müssen. „Ich fange immer mit den Sanitärgebäuden an, kontrolliere die dann aber in einer anderen Reihenfolge als angegeben, damit mir dann nicht jedes Mal noch die Putzkolonne zuvorkommt.“

Kai vor der Rezeption

Kai achtet auf alles

Kai achtet auf alles: Der erste Blick geht immer in den Himmel um zu sehen, ob dort Hochspannungsleitungen laufen – denn das ist schlecht für Gäste mit Herzschrittmacher. Dann geht es weiter: Wie ist die Einfahrts- und Parksituation, wie groß sind die Standplätze und wie ist die Stromversorgung geregelt, wo und wie können sich Wohnmobile mit Frischwasser versorgen – und natürlich wie sind die Sanitäranlagen? Jede Toilette, Waschkabine und Dusche wird einzeln unter die Lupe genommen. Dass es nicht in jeder eine Sitzgelegenheit gibt, gefällt dem Inspekteur nicht, auch nicht, wie der Wasserablauf geregelt ist. Positiv vermerkt wird dagegen zum Beispiel, dass die Wasserhähne per Lichtsensor und ohne direkten Kontakt anspringen.

Besonders gute Angebote kommen auch in die Bewertung. Etwa, dass es einen Boots- und einen Fahrradverleih mit bis zu 400 Rädern gibt. „Es geht auch viel um Pflege und Zustand“, sagt Kai. Über ein paar Unkraut-Ecken kann er da schon mal hinwegsehen. „Ein botanischer Garten wird das hier nicht mehr. Aber sie geben sich Mühe, es sind ständig viele Mitarbeiter zu sehen.“

Apropos Garten: Ich mag ja das Kräuterbeet vor der Kochstelle. Darin wachsen verschiedenen Kräuter, unterteilt nach den Gerichten, zu denen sie passen, also etwa zu Suppe, Pasta, Fisch- und Fleisch. Teil der Inspektion sei das nicht, betont Kai. Mit ein wenig Augenrollen schneidet er mir zuliebe dann aber doch ein paar Blätter ab. Wenn schon Spaghetti mit Tomatensauce, dann wenigstens gut gewürzt....

Kai im Kräutergarten

Erkenntnisse der ersten Nacht

25.06.2018 - Früh am Morgen

Angereist bin ich schon gestern, um schon mal ein bisschen Camper-Feeling aufzusaugen. Zwei wichtige Erkenntnisse hat die erste Nacht gebracht:

Ich kann mein Zelt noch aufbauen, es ist komplett und hält.

und

Das mit den neugierigen Nachbarn, die ihre Nase in jedes Zelt stecken, ist immer noch so.

Ente schaut ins Zelt

Auf geht’s nach Amsterdam

Beim Packen fällt mir eines der Dinge wieder ein, die mich am Campen später so gestört haben: Das Packen. Mein Rucksack ist voll, noch bevor ich irgendetwas darin untergebracht habe, was ich tagsüber gebrauchen kann. Zelt, Schlafsack, Isomatte, aus. Die große Camperfreiheit beginnt mit Einschränkungen. Einige schmerzhafte Gepäckreduktionen später ist das Nötigste aber verstaut, ab zu Kai – oder zumindest schon einmal auf den Campingplatz Zeeburg in Amsterdam. Dort treffe ich heute Morgen Kai.

Rucksach beim Packen

Camping nervt - kann Kai mich wieder begeistern?

Im Lauf der Jahre hat die Begeisterung nachgelassen. Einige kurze Einsätze gab es noch für mein kleines Zwei-Mann-Zelt in späten Schul- und frühen Unijahren, als das Geld noch knapp, die Jugendliebe dafür groß und die Urlaubsform deshalb egal war. Heute ist Camping für mich auf nervige Weise mit all dem verbunden, was es als Kind für mich ausgemacht hat: Sand und Piniennadeln in den Schuhen, Tausende Menschen direkt nebenan – egal ob beim Duschen oder Schlafen – und jeden Tag Spaghetti mit Tomatensauce.

Hunderttausende Menschen in Deutschland sehen das aber anders und schwören auf Urlaub auf dem Campingplatz – zum Teil über Generationen hinweg. Vielleicht ist es also an der Zeit, der Sache wieder eine Chance zu geben. Aber was braucht es, damit Camping wirklich Spaß macht? Worauf achten Camper? Wie haben sich die Plätze verändert, was macht einen guten Platz heute aus und wer entscheidet überhaupt darüber? All das weiß Campingplatz-Inspekteur Kai. Seit seinem zwölften Lebensjahr ist er begeisterter Camper, seit sieben Jahren tourt er für den ADAC Campingführer als Inspekteur durch Europa. In den kommenden Tagen zeigt er mir einige Plätze in den Niederlanden und erklärt mir seine Arbeit.

Wunderbare Kindheitserinnerungen

Camping ist für mich untrennbar verknüpft mit einem metallicblauen Mitsubishi-Bus L300, voll beladen bis unters Dach mit allem, was eine vierköpfige Familie in den späten 1980ern so in den Camping-Urlaub mitgenommen hat: Großes Familienzelt, riesiger Gaskocher (zumindest aus der Perspektive eines Sechsjährigen), Camping-Tisch und -Stühle, Abspülwanne, Handtücher, Essenskiste, Kleidung für vier Leute und und und...

Oft war der Blick durch die Panoramascheiben im Dach der einzige, der meinem Bruder und mir – gut eingebaut ins Campingzubehör – geblieben ist. Da bewunderten wir dann stundenlang die Sterne, bis wir frühmorgens auf irgendeinem Campingplatz an der kroatischen, italienischen oder südfranzösischen Küste mitsamt der Ausrüstung wieder ausgeladen wurden. Ab da war es aber jedes Mal ein großes Abenteuer. Camping ist für mich mit vielen wunderbaren Kindheitserinnerungen verbunden: Sand und Piniennadeln zwischen den Zehen, jede Menge Spielgefährten direkt nebenan – und immer Spaghetti mit Tomatensauce.

Der Blog

Woher kommen die ADAC Sterne? Wie testet der ADAC Campingplätze? Und wer ist da eigentlich im Auftrag des ADAC unterwegs? Camping Skeptiker Fabian hat viele Fragen. Was liegt da näher, als einen Insider zu begleiten! Mit Zelt, Smartphone und vielen Fragen im Gepäck macht Fabian sich auf den Weg nach Amsterdam. Dort trifft er Kai, der seit 2012 für den ADAC Campingplätze testet und dabei schon mehrere Tausend Plätze in ganz Europa gesehen hat. Fünf Tage lang werden sie gemeinsam durch die Niederlande touren, Campingplätze besichtigen und auch den Inspekteursalltag zusammen erleben.

Wird Fabian in Holland Antworten auf seine Fragen finden? Und wird er vielleicht doch wieder zum überzeugten Camper? Das und mehr erfahren Sie hier in Fabians Blog. Lesen Sie hier mit!

Der Blogger: Fabian

Jahrgang 1983, lebt in und arbeitet von München aus seit 2012 als freier Journalist.

Ist viel und gerne draußen unterwegs. Als Kind wurde er jeden Sommer pünktlich zum Ferienbeginn in den voll bepackten Campingbus gesteckt und nach Italien, Kroatien oder Südfrankreich verfrachtet. 25 Jahre später versucht er, eine alte Liebe wiederzuerwecken.

Fabian beim Packen

Der ADAC Campingplatz-Inspekteur: Kai

Jahrgang 1960, lebt in Euskirchen, seit 2012 als ADAC Campingplatz-Inspekteur in ganz Europa unterwegs.

Seit er als 12-Jähriger mit Freunden übers Wochenende zum Zelten am Hariksee war, ist Kai mit dem Campingvirus infiziert. Es folgten Trainingslager mit dem Fußballverein und spartanische Biwaks auf Manöver bei der Bundeswehr. Auch auf seinen Motorradtouren durch die Alpen wurde natürlich gezeltet. Irgendwann kam dann der Schritt vom Zelt zum Campingfahrzeug: Anfangs ein VW T5, heute ist Kai mit einem komfortablen Wohnmobil unterwegs.

Kai ADAC Campingplatz-Inspekteur

Die Campingplätze auf der Tour

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