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Campingplatz mit Wohnmobilen

Überwintern in Spanien - Sonne satt!

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Die spanische Mittelmeerküste ist ein beliebtes Ziel für Langzeitcamper, denen der Winter daheim zu trist ist. Die Platzbetreiber bieten ihnen alles, damit sie sich in ihrem zweiten Zuhause wohlfühlen.

Ein kleines Strohmännchen heißt die Besucher am Eingang der Parzelle willkommen. Sorgfältig ist ein grüner Kunstrasenteppich über den Kiesboden gerollt, an der Hecke zur Rechten sorgen aus Plastikflaschen gebastelte Lampenschirme für Farbkleckse, auf der linken Seite begrenzt das Wohnmobil den Platz von Waltraud und Hans Nemitz. Darauf ist eine Schildkröte mit Hut gepinselt. „Eile mit Weile“, mahnt sie – und eilig hat es das Rentner-Ehepaar aus Burscheid bei Leverkusen wirklich nicht. Gemütlich legen die beiden im Liegestuhl die Füße hoch, lesen Zeitung und genießen die vormittägliche Aprilsonne, die gerade durch die noch kargen Äste der Maulbeerbäume auf dem Campingplatz spitzt. Seit einem halben Jahr sind sie Gäste auf Torre La Sal 2 an der Costa del Azahar nördlich von Valencia.

Ehepaar vor Wohnmobil

Pünktlich zum ersten Oktober waren sie hier, bis Anfang Mai wollen sie bleiben. „Kein Frost, kein Regen, kein Schnee“, sagt Hans und lacht. Und Waltraud schiebt hinterher: „Man schaut nicht so viel fern, unterhält sich, ist unter Leuten – wegen mir kann dieses Leben noch zehn Jahre so weitergehen!“
So wie das Ehepaar Nemitz packen viele Camper ihre Koffer, wenn es im Herbst zu Hause ungemütlich wird, und rollen Richtung Süden.

Eines der Hauptziele ist die spanische Mittelmeerküste. Denn: „Hier ist das Klima besonders gesund“, sagt Günter Möller, der mit seiner Frau Irene die kalte Jahreszeit im Camping & Resort La Marina verbringt. Seit Jahren hält er jeden Tag die Wetterdaten im heimischen Schierbrok bei Delmenhorst und in La Marina fest. Er kann genau sagen, wann es geregnet hat, wann es windig war, wann das Thermometer ausnahmsweise mal unter null Grad fiel, und „dass es in den letzten 30 Jahren um 0,2 Grad kälter wurde“. Wenn der spanische Wetterdienst verlässliche Zahlen braucht, sollte er sich unbedingt an Günter Möller wenden. Tatsächlich ist das Klima an der spanischen Mittelmeerküste besonders mild, sonnig und daher auch gut für diverse Herz-Kreislauf-Krankheiten. Das ist aber nicht der einzige Grund, warum es jedes Jahr Tausende Camper wie Zugvögel in den Süden zieht.

Ehepaar beim Kartenspielen

„So viele Menschen sitzen zu Hause, jammern und sind halt einfach alt“, erzählt Anna Baumeister aus dem österreichischen Kirchberg bei Mattighofen. „Wir bewegen uns mehr, als wir es daheim tun würden, sind viel aktiver, und es rührt sich immer was. Schon allein die verschiedenen Sprachen, die hier gesprochen werden, halten uns geistig fit.“ Sie und ihr Mann Helmut sind auf La Marina Nachbarn von Ehepaar Möller. Früher habe sie sich nicht vorstellen können, immer am gleichen Ort zu sein, sagt Anna Baumeister, jetzt seien sie aber auch schon zum achten Mal im Winter hier. „Man glaubt gar nicht, wie wenig es braucht. Uns geht auf 30 Quadratmetern nichts ab.“ Und für Langeweile haben Langzeitcamper sowieso keine Zeit. Günter Möller: „Die Leute fragen immer, was macht ihr da den ganzen Tag? Aber wir tun das Gleiche wie zu Hause auch, wir leben ja hier. Nur dass wir mehr zu tun haben, weil wir noch so viele soziale Kontakte pflegen. Unser Terminkalender ist hier voller als zu Hause.“ Seine Frau Irene geht außerdem regelmäßig zum Spanischkurs und gibt Porzellanmalkurse für andere Camper – der Brennofen, den es dazu braucht, steht im Vorzelt.

Oft mehr Angebot als im Hotel

Viele Plätze wechseln zweimal im Jahr komplett ihr Gesicht: Im Sommer kommen vor allem einheimische Familien, im Winter sind die Deutschen zu Gast. Die Platzbetreiber haben längst erkannt, wie wichtig die Langzeitcamper, überwiegend deutsche Rentner, in den kalten Monaten für sie sind. Damit sich die Gäste wohlfühlen, investieren die Betreiber viel. Auf La Marina gibt es eines der größten Wellness-Spas im Umkreis von vielen Kilometern, mit Sauna, Fitness-Studio und Poolanlagen aller Art. „Die Leute verbringen hier viel Zeit, deshalb muss man ihnen viele Möglichkeiten bieten. Sie kommen nicht nur wegen der Sonne“, weiß José Antonio Senent, der ein paar Kilometer vom La Marina entfernt das Camping & Bungalows Resort Marjal Guardamar leitet.

Thermometer

Neben Fitness-Centern sowie zahlreichen Bars und Restaurants gibt es auch hier jede Menge Freizeitmöglichkeiten, Kurse und Beschäftigungsangebote. Um die alltäglichen Bedürfnisse abzudecken, bieten Platzbetreiber zudem Friseursalons, Nagelpflegestudios oder Physiotherapie-Praxen. „Viele denken immer noch, Camping wäre das mit dem Zelt und den betrunkenen Jugendlichen. Aber wir haben oft mehr zu bieten als Hotels“, betont Senent. Und über all dem thront immer wieder das Zusammengehörigkeitsgefühl. Wer so lange an einem Ort ist wie die Überwinter-Camper, will nicht nur Gast sein. Das weiß auch Eleni Apostolou. „Wir sind wie eine große Familie“, sagt die 43-Jährige. Sie ist die Rezeptions-Chefin und gute Seele von Torre La Sal 2. Wenn sie mit ihrem Golfcaddy über den Platz tuckert, braucht sie Geduld. Und Standfestigkeit. Hinter jeder Hecke wartet ein „Hallöchen“, auf jedem Klapptisch ein „Kurzer“. Wo immer ihre Gäste der Schuh drückt, ist sie da und weiß zumindest, wo Hilfe zu bekommen ist, wenn sie nicht selbst helfen kann – etwa, wenn es um Arztbesuche geht. Und das schätzen ihre Gäste. „Es ist ja wichtig, dass man sich gut betreut fühlt“, sagt Ingrid Steingans aus Leverkusen, während sie auf dem Spitzendeckchen im blitzblank geputzten Wohnmobil Kekse und Kaffee auftischt. Von Februar bis Mai ist sie mit ihrem Mann hier. Fahrräder und Vespa sind im Gepäck. Von früher spricht sie gern als der Zeit, „in der wir noch Urlaub gemacht haben“. Und jetzt? Das sei kein Urlaub. „Das ist unser zweites Zuhause“, sagt sie und lächelt.

Mit Internet gegen das Heimweh

Viele haben sich in ihrem Winterdomizil längst eine zweite Welt aufgebaut, parallel zu der in Deutschland: mit eigenem Freundeskreis, eigenem Tagesablauf, eigenen Routinen. Sie feiern Geburtstage zusammen, Weihnachten und Ostern. Aber nichtsdestotrotz gibt es sie natürlich, die Welt in Deutschland, in der Eltern, Kinder und Enkelkinder leben. Für viele Langzeitcamper ist die Familie der einzige Grund für Heimweh. Aber auch da gibt es in Zeiten von Smartphone, Laptop und Internet Abhilfe. „Die Verbindung nach Hause ist konstant. Wir werden über Skype, WhatsApp und Facebook laufend mit Fotos und Videos versorgt. Die Welt ist ja unheimlich nahe zusammengerückt“, sagt etwa Knut Versteegen, während seine Frau Tilly auf der Parzelle in Marjal Guardamar die Geranien pflegt.

Ehepaar beim Kochen

Ende Mai geht es für sie nach fünf Monaten zurück nach Kettig in Rheinland-Pfalz, in die andere Heimat. Von Wehmut aber keine Spur, denn statt doppeltem Abschiedsschmerz gibt es bei Versteegens doppelte Vorfreude. „Wenn im Herbst in Deutschland die Blätter runterfallen und die ersten grauen Tage kommen, können wir nicht schnell genug hier sein – und den Sommer genießen wir dort auf der Terrasse. Man freut sich also eigentlich immer, weil man zweimal nach Hause kommt“, sagt Tilly.

Text: Fabian Herrmann
Fotos: Gunnar Knechtel

Rückholung: Notfall

ADAC Plus Mitglieder sind europaweit 92 Tage für die Rückholung im Notfall abgesichert, außerhalb Europas 45 Tage. Die Mitgliedschaft deckt aber nur die Rückholung ab, nicht die Behandlung im Ausland. Daher lohnt sich eine Langzeit-Auslandskrankenversicherung. Zudem sollten Sie einen Nachweis für den letzten Aufenthalt in Deutschland aufheben, z. B. die letzte Tankrechnung. Informationen finden Sie hier.

Tipps für Camper: Plätze für Sonnenhungrige

Die Redaktion des ADAC Campingführers empfiehlt Überwinterern in Spanien folgende Camps, die alle ganzjährig geöff net sind und Sonderpreise für diese besondere Urlaubsform anbieten. Ausführliche Infos dazu finden Sie hier:

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